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Leben & Glauben, Spiritualität, Gesellschaft

Mit Farben durch den Sommer

Grün - Farbe der Besonnenheit

27.06.2022
Es gibt wohl keine Farbe, die immer wieder neu so geschätzt wird, wie Grün. Wenn die winterlich kahlen Äste der Bäume und Sträucher ab April mehr und mehr Blätter hervorbringen, dann macht sich auch bei uns «denaturierten» Zeitgenossen ein Gefühl der Lebendigkeit breit.

Wir können uns heut kaum mehr vorstellen, was dieser Vorgang über Jahrtausende für die Menschen in unserem Klima bedeutet haben muss. Zu erleben, dass da eine Kraft existiert, die nach Dunkelheit und Kälte immer wieder neu erwacht und Überleben und damit Zukunft ermöglicht, musste einen elementaren Einfluss auf die Lebensgestaltung von menschlichen Gemeinschaften gehabt haben. Das Staunen und gleichzeitig das Lernen, wie mit dem Erwachen der Natur klug umgegangen werden muss, um die wiederkommenden dunklen Tage gut zu überstehen, hat neben der Entwicklung von Geräten und sozialem Verhalten zu dem geführt, was wir als «Religion» bezeichnen.

Grünschnäbel Teil 1

Das existentielle Wissen, dass das Leben letztlich nicht einfach verfügbar ist, ist uns im Laufe der Zeit abhandengekommen. Mythen, Götter und Gott hin oder her. Die Geschichte der Religionen ist genau wie die Geschichte der Moderne, die Erzählung vom Verlust des Wissens, um den Platz in all dem, was da ist. Heute sind wir in der Lage, uns selbst aus dem Leben zu nehmen. Wir sind zu wissenden Grünschnäbeln geworden, die wieder lernen müssen, ihren Platz im Kreislauf des Lebens zu finden. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Herkunft und Wirkungen von Grün

Althochdeutsch «gruoni» oder «ghro» = wachsen von Pflanzen. Da ist noch etwas von der Verwandtschaft zum englischen «grow» «wachsen» zu hören, grün als Farbe wurde dort mit der Zeit zu «green». Schon bei den Ägyptern war grün positiv besetzt. Aus dem grünen Stein «Malachit» machten sie Schminke für die Augenlieder. Zusammen mit dem Smaragd wurde ihm als Talisman Schutz vor Unfällen zugeschrieben. Im Mittelalter galt grün als Farbe der Liebe. Im Minnegesang kam die Farbe oft vor: «Grün solltn allzeit haben Wert, ob dein Herz dir lieb begehrt». Unter christlichem Einfluss wurde die Farbe jedoch mehr und mehr für böse Kräfte und Mächte eingesetzt. Dämonen waren grün und hatten grüne Augen. Damit sollte im Volk Lust und Liebe im Zaum gehalten werden.

Im Islam ist Grün die Farbe Mohammeds. Er selbst erklärte sie zu seiner Lieblingsfarbe. Bis heute dürfen nur die Kalifen – als Nachfolger von Mohammed – einen grünen Turban tragen. Das Paradies ist vorwiegend grün, als Sinnbild für blühende Landschaften und Oasen.

Grün wirkt beruhigend und harmonisierend. Schon Hildegard von Bingen erkannte die heilsame Wirkung von Grün und empfahl den Aufenthalt im Wald. Menschen mit der Lieblingsfarbe Grün sind praktisch und bodenständig veranlagt. Sie sind freundlich, grosszügig und mitfühlend. Sie neigen zum Plaudern, gewinnen gerne und geben Niederlagen nicht so gerne zu. Obwohl eher konservativ lernen sie gerne und verstehen neue Gedanken schnell.

Grünschnäbel Teil 2

Der Begriff Grünschnabel bezeichnet Menschen, die von etwas keine oder kaum eine Ahnung haben und sich trotzdem als Besserwisser aufspielen. Das Phänomen lässt sich ohne weiteres auf ganze Gruppen oder gar Gesellschaften ausweiten. Es spielt dabei keine Rolle, ob es um Religion, Politik oder Wissenschaft geht. Wenn es uns gelingt, vom Besserwisser zum besser Wisser zu werden – und diese Chance besteht, dann grünt es vielleicht noch lange auch für uns.

Heinz Mauch-Züger

 


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