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Spiritualität

Inseln schaffen

All-Ein sein

04.11.2022
«Wer nicht allein sein kann, der hüte sich vor der Gemeinschaft.» Diesen Satz schrieb der Theologe Dietrich Bonhoeffer in seinem Buch «Gemeinsames Leben» im Jahr 1939.

Für mich liegt darin eine tiefe Wahrheit. Er beschreibt im Kapitel «der einsame Tag» die Erfahrung, dass Menschen eine Gemeinschaft suchen auf der Flucht vor sich selbst. Solche Menschen suchen in der Gemeinschaft Hilfe und eine Heilung und werden dann nur enttäuscht und übertragen ihre persönlichen Schwierigkeiten auf sie. Schon als junge Studentin hatte mich dieser Satz gepackt. Allein sein und in Gemeinschaft sein bedingen und brauchen sich gegenseitig.

Doch Alleinsein ist nicht dasselbe wie einsam sein. Einsamkeit ist ein Gefühl, das z.B. auftreten kann nach einem Verlust, insbesondere der Partnerin oder des Partners. All die vielen Momente, die man früher miteinander geteilt hat und die nun nicht mehr da sind. Es ist ein Gefühl, welches auch in der Pandemie auftrat, weil unsere sozialen Kontakte in starkem Mass eingeschränkt wurden.

Die Fähigkeit, mit sich selbst gut allein sein zu können, war in der Pandemie entsprechend eine grosse Ressource. Denn letztlich bin ich, wenn ich allein bin, immer mit mir selbst, ich kann mich nicht loswerden. Wenn ich mit mir selbst sein kann, mit mir in Frieden, kann ich entsprechend auch mit anderen sein. Wenn ich hingegen mit mir selbst im Unreinen bin, nicht gut mit mir bin, dann bin ich letztlich nicht gemeinschaftsfähig.

«Wenn ich mit mir selbst sein kann, mit mir in Frieden, kann ich entsprechend auch mit anderen sein.»

Natürlich gibt es hier Unterschiede. Manche Menschen brauchen mehr Gemeinschaft, andere mehr Rückzug. Die Einen laden ihre Batterien auf, wenn sie mit anderen zusammen sind, die Anderen im Rückzug und im Alleinsein. Und dann gibt es noch die Menschen in Ost und West in Vergangenheit und Gegenwart, die wie die porträtierte Wiborada für ein Leben im Alleinsein berufen sind: Eremiten, Kartäuserinnen, Einsiedler. Sie erinnern uns an die tiefste Quelle im Alleinsein, dem Sein mit Gott.

 Von Jesus heisst es öfters, er habe sich an einen einsamen Ort zurückgezogen, um zu beten. Dieser selbe Jesus, der die Gemeinschaft pflegte mit seinen Freunden und mit ihnen unterwegs war, der Zulauf hatte, manchmal gar bedrängt wurde, er brauchte den Rückzug in die Stille. Auch der überaus aktive Paulus schreibt später von Rückzügen. Das ist nicht nur eine willkommene Einladung an uns alle, daran zu denken, unsere Batterien wieder aufzuladen. Es ist auch ein Hinweis auf das, was Jesus in folgendem Wort zusammenfasste: «Ich und der Vater sind Eins.» (Joh 10, 30). Denn Jesus suchte in der Stille die Gemeinschaft mit Gott. So wird aus All-ein das Wort All-Eins. In der Stille des Alleinseins mit Gott kann ich das All-Eins-Sein erleben und erfahren. Ich kann erleben und erfahren, dass ich im tiefsten Grund meiner Seele eins bin mit dem Göttlichen Urgrund. Ich kann erfahren und erleben, dass letztlich Alles Eins ist.

Annette Spitzenberg


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