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Leben & Glauben

Inseln schaffen

Von Dunkelheit und Licht

04.11.2022
Alles war gut vorbereitet. Die Knieoperation bei einem Arzt des Vertrauens sorgfältig geplant, mehrere Bücher im Gepäck, um die coronabedingt ruhige Zeit im Spital zu geniessen, zuhause Handarbeiten vorbereitet, um die lange Zeit der Rekonvaleszenz richtig zu geniessen.

Doch es kam anders. Die Unverträglichkeit der Schmerzmittel sorgte für schlaflose Nächte und unangenehme Tage. Die Hoffnung, nach dem Spitalaufenthalt in den eigenen vier Wänden die nötige Erholung zu finden, zerschlug sich. Nächtelang wach und mit Schmerzen im Bett kamen die schweren Gedanken. Tagsüber die grosse Müdigkeit. Und irgendwann war die Welt nur noch dunkelgrau.

Die Vernunft wusste: Die Operation ist gelungen, im Umfeld ist alles in Ordnung, mein Arbeitsplatz ist in guten Händen, die arbeitsfreie Zeit darf aus vollen Zügen genossen werden. Aber die Vernunft hatte keine Chance. Die dunkle Seite war stärker. Unsagbare Traurigkeit. Bleierne Müdigkeit. Unerklärbare Ängste bis zu Panikattacken, die das Atmen schwer machten. Sehstörungen, Appetitlosigkeit und zitternde Hände. Weinkrämpfe und Scham wegen des vermeintlichen Versagens, der Belastung der Familie.

Diagnose Depression

Die ärztliche Diagnose Depression war in gewissem Sinn entlastend. Die Sache hatte einen Namen, es war eine Krankheit. Zwar eine unsichtbare, immer noch von Tabus belastete, doch behandelbar. Ein kleiner Kreis von Menschen wusste Bescheid, brachte Verständnis entgegen. Andere waren überfordert, konnten es kaum glauben, dass jemand, der normalerweise so viel Lebensfreude ausstrahlt, so tief fallen kann. Dank Geduld, Medikamenten und vielen Gesprächen ging es irgendwann aufwärts. Die Schlaflosigkeit besserte sich. Licht durchbrach erst zeitweise, dann immer öfter die düstere Stimmung. Es war wie ein Auftauchen aus einer bedrohlichen Tiefe. Blauer Himmel, Sonnenschein und Vogelgesang wurden wieder wahrgenommen. Freude und Lachen kamen langsam zurück. Vollends gut wurde es, als der Alltag wieder einkehrte, Arbeitsplatz und Freizeit den Tag strukturierten, Kontakte ausser Haus normal wurden.

«Die eigene Schwäche so schmerzhaft zu spüren macht milder, verständnisvoller und geduldiger.»

Darüber reden hilft

In Gesprächen mit näherstehenden Menschen war es möglich, über diese schwierige Zeit zu reden. Die Krankheit nicht einfach totzuschweigen oder zu verstecken. Und plötzlich wurde deutlich, wie viele Männer und Frauen im Laufe ihres Lebens in ähnlichen Situationen waren oder sind, ein Burnout, eine Depression oder einfach eine schwere, belastende Situation erlebt und oft geheim gehalten hatten. Menschen, die nach aussen ausgeglichen, fröhlich, positiv und voller Elan scheinen. Menschen wie du und ich.

Dadurch entstanden eine grosse Nähe und Verbundenheit. Ein stilles Verstehen und die Gewissheit: Sollte je eine ähnliche Situation kommen, gibt es Menschen, die ohne Worte begreifen.

Es ist gut, wie es ist

Mein Gespenst Depression hat sich verabschiedet und ich hoffe, dass es nicht in irgendeinem Versteck lauert, um mich irgendwann wieder zu finden. Es war schlimm. Und doch hatte es rückblickend nicht nur schlechte Seiten. Die eigene Schwäche so schmerzhaft zu spüren macht milder, verständnisvoller und geduldiger. Ich lasse mich weniger von strahlenden Fassaden blenden, versuche bewusster, den Menschen dahinter zu erkennen. Und ich bin noch dankbarer für all das Gute, das ich erlebe. Den Sonnenaufgang, die Kunst und die Natur, die Liebe und Zuwendung, die wertvollen Begegnungen mit Menschen jeden Alters und noch vieles mehr.

Es ist gut, wie es ist!

Judith Husistein


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