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Leben & Glauben

Inseln schaffen

Das Warten verkürzen

04.11.2022
Immer wieder kommt es in Alterswohnheimen vor, dass auf Etwas oder Jemanden gewartet wird. Die Gründe dafür sind breit gefächert. Aktivitäten, aber auch Haustiere verkürzen diese Zeit des Wartens und machen sie gar zum Erlebnis.

Meine verstorbene Gotte sagte, dass es ihr im Alterswohnheim sehr gut gefalle. Sie fühle sich nicht einsam. Die Besuche würden jedoch mit dem Fortschreiten ihres Alters immer weniger, die Wartezeiten länger. Auch ihr Bekanntenkreis altere und sei nicht mehr so mobil wie früher. Angesprochen auf das, was ihr wirklich fehle, war ihre Antwort für mich im ersten Moment erstaunlich. „Ich werde nicht mehr jeden Tag umarmt, das vermisse ich.“ Ich schreibe dies, weil es mir deutlich aufzeigte, dass mein Gegenüber anders bewertete als ich. Nie hätte ich Umarmungen bei meiner Gotte an die oberste Stelle gesetzt.

Wenn Menschen warten, ist das Einsamkeit? In früheren Zeiten und auch heute in anderen Ländern war und ist das Wort Einsamkeit nicht so negativ belegt wie bei uns. Einsamkeit bedeutet wohl für jeden Menschen etwas anderes, wird also sehr individuell ausgelegt. Bei meiner Arbeit im Alterswohnheim begegnet mir eine Art des Wartens in Zusammenhang mit Demenzerkrankungen. Schon fünf Minuten nach einem Besuch ist die Erinnerung daran verschwunden. Der Bewohner oder die Bewohnerin wartet erneut auf Kinder, Bekannte und so weiter . Zum Teil ist dieses Warten, so scheint es von aussen betrachtet, geduldig und stressfrei, jedoch nicht immer. In solchen Situationen frage ich mich, was die Frau, der Mann dabei empfindet. Ist es Einsamkeit, also das Erwartete stimmt nicht mit der Wirklichkeit überein? Welches Erwarten? Mit welcher Wirklichkeit? Ähnelt sie derjenigen von uns Betreuenden, Pflegenden? Gerne würde ich jeweils Gedanken lesen können. Wie fühlt es sich an, wenn ich von Minute zu Minute vor etwas ganz Neuem, mir Unbekannten stehe? Gibt es da Einsamkeit?

«Ich werde nicht mehr jeden Tag umarmt, das vermisse ich.»

Das, was ich beobachte, ist, dass Besuche, Aktivierungen und Tiere fast immer mit einer entspannten Atmosphäre, Lächeln oder fröhlichem Lachen einhergehen. So sind zum Beispiel Spaziergänge um das Haus stets ein Erlebnis und bestimmt verschwindet hier die Einsamkeit falls sie vorhanden ist, denn es gibt vieles zu beobachten. Besonders beliebt sind neben dem Blumengarten mit seinen wunderbaren Farben und verschiedenen Düften die Tiere. Hauskatze Miro stattet Besuche in den Zimmern ab. Draussen aber tummeln sich Ziegen, Enten, Hühner und Schweine sowie Fische im Teich. Ab und an fliegt ein Graureiher ans Wasser. Die Tiere werden teilweise täglich mehrmals besucht und es gibt immer etwas zu betrachten, mitzuteilen, zu diskutieren. Auch das Schmetterlingsgehege in der Kaffeestube war ein besonderer Anziehungspunkt.

Das sind in Bezug auf Einsamkeit und Tiere diese besonderen Augenblicke, in denen ich leuchtende, wache Augen beobachte und sehr entspannte, fröhliche Gesichter. Ich bin davon überzeugt, dass gerade Menschen mit Demenz mit Tieren eine ganz besondere Beziehung eingehen oder aufbauen können. Es scheint, als ob die Tiere spüren oder wissen, dass sie hier etwas länger verweilen, mit der Schnauze mehrfach anstupsen, sich nochmals langsam präsentieren oder gar ihre Jungen vorzeigen sollen. Es sind wunderbare, nonverbale Verbindungen, die entstehen. Natürlich sind auch das Füttern und Streicheln eine wunderbare Tätigkeit, die wohl auf beiden Seiten genossen wird.

Isabelle Kürsteiner

 


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