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Leben & Glauben

Ich denke, also

Ich denke, also

17.10.2022
Studien zeigen auf, dass der Mensch etwa 60 bis 80-tausend Gedanken täglich denkt. Das Organ hinter unserer Stirn ist ein Phänomen, dem man mehr und mehr auf die Schliche kommt. Und je mehr man herausfindet, umso erstaunlicher wird es. Denkmuster machen Weltanschauung. Gedanken sind Elemente aus unserem Charakter, dem Umfeld und der Erfahrung. Die Gedanken sind frei – denkste!

Denkqualitäten

Wir alle sind in die Schule gegangen und haben dort erlebt, dass denken nicht gleich denken ist. Da gab es Mitschüler, die konnten sich Gesagtes einfach merken, andere fanden im Kopfrechnen blitzschnell die Lösung, wieder andere brachten Sätze zustande, die aus mehr als fünf Wörtern bestanden und noch andere konnten Geschichten und Geschehnisse ohne grosse Mühe zusammenfassen. Dann wieder gab es welche, die konnten etwas reparieren in Nullkommanichts oder solche, die bewegten sich im Spiel so clever, dass sie einfach richtig standen und das Tor machten oder den Gegner mit dem Ball trafen und er oder sie sich hinsetzen mussten. Offensichtlich ist denken nicht einfach gleich denken. Es gibt verschiedene Denkqualitäten, die mehr oder weniger ausgeprägt sind.

Denken trainieren

Das Hirn ist zwar kein Muskel, doch es hat Eigenschaften wie einer. Man kann es trainieren. Das Wort «Denksport» bringt das gut zum Ausdruck. Man kann seine Merkfähigkeit verbessern, indem man mit sogenannten Eselsbrücken einen Bezug herstellt und es sich so einprägt. Kreuzworträtsel, Sudoku, Finde 10 Unterschiede etc. sind alles Trainingsmöglichkeiten. Lesen trainiert ebenfalls und dann reisen und Anlässe besuchen, nicht zu vergessen ein freiwilliges oder ehrenamtliches Engagement, wo man sich aktiv einbringen kann.

Im wirtschaftlichen Umfeld entwickelten sich mit der Zeit verschiedene «Denktechniken» Sie sollten helfen, Produkte zu erfinden oder zu verbessern. Kreativität wurde zu einem zentralen Begriff. Vom Brainstorming über Mind Mapping, SWOT-Analyse bis hin zu Design Thinking wurde eine Fülle von Vorgehensweisen entwickelt, um Entwicklungen und Ideen in nützlicher Frist gewinnbringend umzusetzen. Der Erfolg dieser Methoden ist nicht einfach gegeben. Es ist entscheidend, in was für einem Umfeld (Unternehmenskultur) sie eingesetzt werden. Je mehr Erwartungsdruck vorhanden ist, umso wirkungsloser werden auch diese Vorgehensweisen.

Denkmuster

Denkmuster zeigen sich in Äusserungen und Verhaltensweisen. Sie entstehen durch frühe Prägungen und dort, wo ein grundsätzliches Interesse für oder gegen etwas vorhanden ist. Wir Menschen bauen täglich an unserer Weltanschauung und es ist sehr wichtig, dass wir eine Balance herstellen können, die uns Sicherheit vermittelt. Ist das über längere Zeit nicht mehr der Fall, dann werden wir ver-rückt und kommen mit den Anforderungen des Alltages immer weniger zurecht.

Je nach Herkunft, Charakter und Umfeld variieren die Denkweisen. Sie können sich widersprechen, was in widersprüchlichem Verhalten sichtbar wird. Der tägliche Umgang mit diesen Widersprüchen verlangt den bewussten Willen zur Auseinandersetzung und zur Veränderung. Das fällt nicht leicht, denn das Hirn ist «ein träger Kerl». Es liebt Routinen, denn diese vermitteln Sicherheit. Neues, Andersartiges irritiert und gefährdet.

Ideen und Wirklichkeit

Die Gestaltung der Welt beginnt im Kopf und wirkt auf den Kopf beziehungsweise das Hirn zurück. Negative Erfahrungen setzen einen Denkprozess der Korrektur in Gang und verändern Vorgehensweisen. Positive Erfahrungen zeigen sich in der Tendenz der Verstärkung, um dieses Positive zu erhalten. Alle diese Vorgänge wirken sich aus in entsprechenden Weltanschauungen, die dann das eigene Leben und das Zusammenleben bestimmen. Daraus werden Kulturen, die in ihrer jeweiligen Umgebung wirksam sind und so das Leben regeln. Äussere Einwirkungen wie Naturkatastrophen, Eroberungen und Kriege und Veränderungen innerhalb der Kultur durch neue Ideen beeinflussen geltende Anschauungen und verändern sie.

Wie erleben gegenwärtig Veränderungen der herkömmlichen technisch-ökonomischen Anschauungen des grenzenlosen Wachstums der Menschen auf der Erde. Die gradlinige Logik dieser Denkweise verlegt die Beschaffung von Ressourcen für unseren Lebensstil mehr und mehr über die Erde hinaus auf die Planeten in unserem Sonnensystem und auf die bessere Nutzung von Energiequellen wie Sonne und Wind. Im Bereich der Digitalisierung geht es um die intelligente (smarte) Nutzung der Ressourcen durch das Programmieren unserer Verbrauchssysteme.

Andere weltanschauliche Gewichtungen favorisieren den bewussten Umgang mit Ressourcen durch sparsamen Umgang, die Anschaffung langlebigerer Produkte, Veränderung der Essgewohnheiten und den Verzicht auf den eigenen Besitz durch das Teilen (bspw. Car-Sharing).

Eingespielte Denkmuster des «Alles immer sofort» werden in Frage gestellt. Die Entwicklung des Klimas verlangt, Gewohnheiten zu verändern und die Auseinandersetzungen dazu in der Politik und in den Medien zeigen, wie verschiedene Ansichten aufeinanderprallen.

Religionen und Denkmuster

Wenn man von Weltanschauung spricht, kommt man an den Religionen nicht vorbei. Für viele gelten diese Ansichten als veraltet. Vergessen wird dabei, dass auch Religionen einem stetigen Wandel unterworfen sind. Im vergangenen Jahrhundert ging man davon aus, dass Religionen überwunden werden, da in ihnen keine Maschinen oder gar Raketen und Computer vorkommen und sie auch sonst zu unserem hochentwickelten Leben nichts mehr zu sagen hätten. Übersehen wurde, dass es bei der Religion um die Einbettung des Menschen in das «grosse Ganze» geht – unabhängig von technischen und ideologischen Entwicklungen.

Auch hier begegnen wir konservativen und progressiven Ansätzen. Konservative Ansätze berufen sich auf bewährte oder unverrückbare Wahrheiten. Sie erreichen Menschen, die das genauso sehen und bieten Stabilität durch die Benennung von Gefährdungen und Bedrohungen. Progressivere Ansätze ziehen neue Erkenntnisse mit ein und kämpfen mit der Trägheit des Hirns, sich auf Neues einzulassen und Möglichkeiten zu entdecken, die dem Ganzen dienen können. Religionen haben sich mit der Entwicklung der Menschheit verändert und sie tun es weiterhin. Die Aufteilung von religiösem Denken und menschlichem Denken hat bei uns im Westen im Laufe der sogenannten Aufklärung leider zu einer Entwicklung geführt, welche die Lebensräume Kirche und Staat oder Glaube und Wissenschaft in unglückliche Gegensätze verwandelte. Beide Seiten haben durch die Ziele Machtgewinnung oder -erhaltung ihren Beitrag dazu geleistet. Eine Revision dieser Denkmuster ist überfällig.

«Ich denke, also bin ich*», ist rasch gesagt. Der Schöpfer des Satzes hat jedoch dem Zweifel an diesem «Denken» grossen Platz eingeräumt. Das sollten wir ebenfalls tun, denn der Verstand ist nicht einfach vernünftig, er ermöglicht uns jedoch, Verständnis für etwas zu entwickeln, was uns fremd erscheint und dann damit den angemessenen Umgang zu erlernen.

Heinz Mauch-Züger

*René Descartes, 1596–1650, französischer Philosoph spielt mit dem Satz «Cito ergo sum» bis heute eine einflussreiche Rolle im westlichen Denken.

 


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