Gedenkstätte für «Sternenkinder»

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21.12.2021
Es ist eines der traurigsten denkbaren Ereignisse: Der Tod eines Kindes während der Schwangerschaft oder kurz danach. Nun hat Wattwil eine Gedenkstätte für solche Kinder bekommen.

«Wenn Geburt und Tod zusammenfallen»: So heisst eine Broschüre für Eltern von totgeborenen Kindern. Die Begleitung Betroffener ist in solchen Fällen sehr wichtig. Dazu kann auch ein Ort der Erinnerung für das verstorbene Kind gehören. Solche Gedenkstätten gibt es einige in der Schweiz: nun auch in Wattwil. «Kirchenvertreter sind mit diesem Wunsch an die Friedhofskommission getreten», sagt der Wattwiler Gemeinderat Pirmin Sieber. Da es bisher in der Region keine Gedenkstätte für frühverstorbene Kinder gab, habe man diesem Ersuchen entsprochen.

Frauenmänteli mit Schutzsymbolik

Die «Gedenkstätte Sternenkinder» befindet sich in der Nähe der Friedhofshalle in Wattwil. Als «Sternenkinder» bezeichnet man Kinder, die im frühen Stadium der Schwangerschaft sterben und weniger als 500 Gramm wiegen. Die Gedenkstätte ist aber für alle frühverstorbenen Kinder gedacht, die während oder kurz nach der Schwangerschaft sterben. Zentrales Element des Erinnerungsortes ist eine Skulptur aus Andeergranit. Sie hat die Form eines Frauenmantelblattes. «Frauenmänteli gehören zu den Heilpflanzen und stehen symbolisch für Schutz und Geborgenheit», sagt Landschaftsarchitekt Stephan Fässler. Er ist für die Realisierung der Gedenkstätte verantwortlich. Hinzu kommt, dass sich auf ihrer pelzigen Oberfläche Wassertropfen wie Perlen bilden können. Auch diese Erscheinung der Natur fliesst in die neue Gedenkstätte ein. «Extra hergestellte Glasperlen kleben auf dem Stein und stehen symbolisch für ein verstorbenes Kind», so Fässler. Der rund 1,5 Tonnen schwere Stein ist grünlich und in die Bepflanzung der Umgebung integriert, die teils ebenfalls aus Frauenmänteli besteht.

Kirche für Abschied zuständig

Für Rituale und Abschiedsfeiern für frühverstorbene Kinder sind die Pfarrämter der Region zuständig. In Wattwil sind dies die katholische Seelsorgeeinheit Neutoggenburg und die reformierte Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg. Sie planen für dieses Jahr die Einweihung der Gedenkstätte. Dazu gehört auch eine Information der Öffentlichkeit, um betroffene Eltern auf die neue Möglichkeit aufmerksam zu machen. 

Weiter Informationen: kindsverlust.ch

Text | Foto: Daniel Klingenberg, St. Gallen – Kirchenbote SG, Januar 2022

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