Katholischer Seelsorger geht zur Schwesterkirche

St. Gallen: Wenk wechselt zur reformierten Kirche

von Sebastian Schneider
min
21.01.2025
Matthias Wenk ist ab April Seelsorger in der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde St. Gallen Centrum. Der Schritt ist aussergewöhnlich: Matthias Wenk war bislang für die katholische Kirche tätig und konvertiert zur Schwesterkirche.

Die evangelisch-reformierte Kirche St.Gallen Centrum kann sich über eine wertvolle Verstärkung freuen: Matthias Wenk wird ab April Pfarrstellvertreter im Riethüsli und übernimmt zudem ein Teilpensum in der neu geschaffenen reformierten Cityseelsorge. Der 48-jährige Vollblut-Seelsorger ist in St.Gallen ein bekanntes Gesicht. Bereits vor elf Jahren zog es ihn ins Bistum St.Gallen; er begann seine seelsorgerische Tätigkeit in der ökumenischen Gemeinde Halden. In den vergangenen sechs Jahren war er in der katholischen Cityseelsorge tätig und war oft in den Gassen der Stadt unterwegs, wo er in Kontakt mit den Menschen trat. Matthias Wenk hat viel für die katholische Kirchgemeinde St.Gallen geleistet. Er war innovativ und probierte mit Verve neue Formate aus. Für die katholische Kirche im Lebensraum St.Gallen ist sein Wechsel ein grosser Verlust.

Lange gerungen

Seinen Entscheid hat er sich nicht leicht gemacht. Matthias Wenk betont, dass er gute Erfahrungen gemacht hat mit der katholischen Kirche im Lebensraum St.Gallen und er dankbar sei für die wertvolle Zusammenarbeit. Seit längerem aber hat er mit den Strukturen der römisch-katholischen Kirche gerungen. «Die katholische Kirche in St.Gallen ist eben auch Teil dieser Struktur», sagt Matthias Wenk. Seine Konversion sei eine Gewissensentscheidung: «Ich möchte als Seelsorger und Theologe im Dienst der Menschen stehen. In der evangelisch-reformierten Kirche kann ich das mit gutem Gewissen und glaubwürdig tun.»

Weitere Zusammenarbeit gewünscht

Einen Seelsorger wie Matthias Wenk lässt man nicht gerne ziehen: «Wir bedauern seinen Schritt sehr», sagt Sonja Gemeinder, Präsidentin des katholischen Kirchenverwaltungsrats. Die Situation sei ausserordentlich: «Matthias Wenk wird weiterhin in St.Gallen tätig sein. Die Leute haben ihn als katholischen Seelsorger kennengelernt, bald arbeitet er mit ähnlichen Aufgaben für die Schwesterkirche.» Selbstverständlich akzeptiere der Rat seinen Entscheid, und bei ökumenischen Projekten werde weiterhin eine Zusammenarbeit gewünscht. 

Ich möchte als Seelsorger und Theologe im Dienst der Menschen stehen. In der evangelisch-reformierten Kirche kann ich das mit gutem Gewissen und glaubwürdig tun.

Wahl durch Kirchbürgerschaft

Des einen Leid ist des anderen Freud: «Wir freuen uns, dass wir die vakante Stelle im Riethüsli mit einem derart engagierten Seelsorger besetzen können», sagt Nadeshna Ley, Vizepräsidentin der Kirchenvorsteherschaft der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde St.Gallen Centrum. Matthias Wenk wurde bereits Ende 2024 von der Kirchenvorsteherschaft gewählt. «Wir sind uns der ausserordentlichen Situation bewusst und gehen diesen Weg bedacht und mit Zuversicht», sagt Ley. Ab April beginnt ein übliches Probeverfahren. Bei erfolgreichem Abschluss nach zwei Jahren kann Matthias Wenk als evangelisch-reformierter Pfarrer durch die Kirchgemeindeversammlung gewählt werden.

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